Pandemieerklärer Drosten macht Schluss – Was das bedeutet

Held und Hassfigur zugleich – Corona-Experte Christian Drosten nimmt den Hut und geht. Ist die Pandemie damit beendet?

Bei weitem nicht, so der Virologe. Christian Drosten war gleich zu Beginn der Pandemie die Stimme der Wissenschaft – seit 2020 versuchte er besonnen und wissenschaftlich basiert, den Deutschen öffentlich die Pandemie und deren Konsequenzen zu erklären. Das traf nicht bei jedem auf Zustimmung. Drosten war oft ungeliebt – bei Politikern, weil er sich dem Druck nach einfachen Antworten nicht beugte. Bei den Medien, weil er in seiner Funktion als Leiter des Instituts für Virologie an der Berliner Charité nicht in jeder Talk-Show saß, nicht jedes Interview gab, um Quoten-Druck und Auflagenstärke im Sensationsmaekrting zu befriedigen.
„Darf es in den Unterhaltungsformen des Journalismus ein ‚Teile und Herrsche‘ geben, also das Teilen von Meinungen zur Beherrschung eines Marktanteils?“, fragte Drosten im November 2011 bei der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus in Köln. „In einer Pandemie kostet unverantwortliches Handeln Menschenleben“, mahnte er damals.

Kein Wunder, dass eines seiner wichtigsten Werkzeuge, um neueste wissenschaftliche Erkenntnisse öffentlich zu verbreiten der Podcast „Das Coronavirus-Update“ bei NDR-Info war. Am Dienstag erscheint nun die vorerst letzte reguläre Folge.

“Ich gestehe, ich war derjenige, der gesagt hat: Ich schaffe es nicht mehr. Ich brauche Zeit für die Forschung. Ich habe ein Institut zu leiten. Und ich habe, auch wegen des Podcasts, viele Chancen in der Forschungsförderung nicht wahrnehmen können. Ich muss mich jetzt um die Finanzierung meines Instituts kümmern. Und das kostet gerade sehr viel Arbeitskraft”, begründet der 49-Jährige in einem Interview mit dem Magazin ZEIT online. Zeit das Ende seiner Mitarbeit. Der Podcast selbst wir aber weiterlaufen – zunächst durch Sonderfolgen mit anderen Expertinnen und Experten.

Ein Ende der Pandemie signalisiere sein Ausstieg aus dem Podcast aber nicht. Im Gegenteil. Bei rund 1.758 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI binnen eines Tages 252.026 neue Corona-Fälle.

„Meine Erwartung ist noch eine weitere Zunahme der täglich gemeldeten Fälle für einige Tage, vielleicht Wochen“, sagte der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb der Deutschen Presse-Agentur zur möglichen weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens. „Gerade, weil Omikron-Subtyp BA.2 mit den jetzigen Lockerungen natürlich weiterhin sehr gutes Verbreitungspotenzial hat.“
zu Wort, so der NDR.

Auch Drosten wird in Zukunft nicht verstummen. Er werde, wenn „sich große Probleme auftun“, wieder aktiver werden – etwa in Interviews oder auf Twitter, so versicherte er in dem ZEIT-Interview. Denn eines ist ihm nach wie vor wichtig: „Ich will natürlich im nächsten Winter nicht der sein, der nichts gesagt hat, als es brannte.“

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