Monarchie-Beben: Europa hat eine neue Prinzessin

Es gibt eine neue Prinzessin in Europa: Delphine Boël. Sie ist 52 und erkämpfte ihren Titel vor Gericht. Für die Königshäuser Europas ist das ein Erdbeben.

Delphine Boël ist Belgiens neue Prinzessin und damit Delphine von Sachsen-Coburg und Gotha. Sie hat den Titel nicht von Geburt an erhalten und auch nicht durch eine Heirat erworben. Sie hat ihn eingeklagt und ein Brüsseler Gericht hat ihr Recht gegeben. Delphine ist nämlich die Tochter des ehemaligen Königs Albert II. (86). Nur ihre Mutter ist nicht Königin Paola (83), die Ehefrau von Albert II. sondern Baronin Sybille de Sélys Longchamps (79), langjährige Geliebte des zurückgetretenen Königs.

Delphine kämpfte sieben Jahre vor Gericht um ihr Recht anerkannt zu werden. Albert II. musste schließlich zu einem Vaterschaftstest einwilligen und der bewies, dass die 52-Jährige seine Tochter ist. Für die meisten Belgier war das Testergebnis keine Überraschung. Die Blutsverwandtschaft stand Delphine ins Gesicht geschrieben, fanden viele Bürger des Königreichs.

Die nun offizielle Prinzessin von Belgien wusste seit ihrem 18. Lebensjahr von ihrem wahren Vater. Doch der stritt die Verwandtschaft ab. Das wollte Delphine nicht akzeptieren. Sie nahm sich Anwälte und kämpfte, „dass ich das Recht habe, zu existieren“, wie sie selbst in einem Interview sagt. Um Geld, Entschädigung oder Rache sei es ihr dabei nicht gegangen. Auch stelle sie keine Erwartungen an den aktuellen König Philippe, ihren Halbbruder. „Ich verlange nichts mehr, und ich werde nicht niederknien, um eingeladen zu werden,“ wird Delphine von der „Süddeutschen Zeitung“ zitiert. Aber ihr falle nun eine Last von den Schultern. Auf ihrer ersten Pressekonferenz als Prinzessin flossen Tränen der Erleichterung.

Wenig erleichternd dürfte das Urteil in anderen europäischen Königshäusern vernommen werden. Was, wenn nun noch mehr uneheliche Königskinder ihren Titel einklagen? Denn Eines ist sicher: Albert II. war nicht der erste König, der uneheliche Liebschaften als sein Recht betrachtete und er wird auch nicht der Letzte sein.