Merkel gibt zu, was sie rückblickend anders gemacht hätte

Fast ein Jahr lang hat Bundeskanzlerin keine Interviews mehr gegeben. Nun stellt sie sich gleich zum zweiten Mal in wenigen Tagen den Fragen von Moderatoren. Gegenüber ZDF-Moderatorin Marietta Slomka gibt die Kanzlerin nun sogar zu, was sie rückblickend anders gemacht hätte und gesteht sich damit Fehler ein.

Im „heute-journal“ erklärte die Kanzlerin (66) die neue Öffnungsstrategie und blickt zurück auf das vergangene Jahr. Als Slomka Merkel fragt, ob sie rückblickend etwas anders gemacht hätte, antwortet die Kanzlerin: „Der Umgang mit den Masken. Die Alltagsmasken haben uns über die Zeit, als wir noch nicht genügend medizinische hatten, hinweggeholfen. Und da war ich zu zögerlich. Es hat sich gezeigt, dass das wichtig war.“ Auch der Teil-Lockdown im Herbst sei ihrer Meinung nach nicht das Non-Plusultra gewesen: „Dass wir im Herbst zu zögerlich rangegangen sind. Ich habe damals kein gutes Gefühl gehabt, aber ich habe die Entscheidung mitgetragen“, gibt Merkel zu.

Viel Kritik musste sich die Bundeskanzlerin aber vor allem wegen der Impfstrategie anhören. Das Kanzleramt hatte die Bestellung der Impfungen zur Aufgabe der EU gemacht. Die wiederum wurde von den USA und Großbritannien gnadenlos ausgebotet. Während die beiden englischsprachigen Länder schon lange zahlreich impfen, ist hier der Impfstoff immer noch zu knapp. Polit-Beobachter unterstellen der EU, diese sei in den Verhandlungen um den Impfstoff zu geizig gewesen.

„Für mich stellt es sich nicht so dar, dass wir knausrig waren“, wehrt Merkel diese Kritik ab, „ich glaube, dass wir sehen mussten, dass die Amerikaner alles, was sie zu Hause produzieren, für sich nehmen. Die Briten sind auch einen anderen Weg gegangen, haben den Impfstoff vier Wochen vorher zugelassen“, schildert die Kanzlerin das Problem aus ihrer Perspektive.

Zur aktuellen Öffnungsstrategie und der neuen Inzidenz von 35 erklärt die Chefin der Bundesrepublik: Bei einer Inzidenz von 50 öffnen nun ja bereits die ersten Schulen und Friseure im März: „Unterhalb der 50 gibt es noch die Zahl 35. Das ist eine Vorsichts-Zahl, bei der man schon erste Schutzmaßnahmen machen soll oder im Umkehrschluss, wenn man sie unterschreitet, darf man schon wieder an größere Öffnungsschritte denken“, sagt Merkel.

Ihre Aussicht auf Normalität hängt von dieser Entwicklung ab: Wenn sich zeige, dass nach diesem ersten Öffnungsschritt die Inzidenz von 35 zwei Wochen lang gehalten werden könne, „dann können wir den nächsten Schritt ins Auge fassen“, so die Bundeskanzlerin.

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