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Hollywood trauert um deutschen Regisseur

Von Clint Eastwood, über George Clooney bis Brad Pitt – sie alle haben mit ihm gearbeitet. Jetzt ist der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen nach langer Krankheit gestorben.

Wolfgang Petersen starb im Alter von 81 Jahre in seinem Haus in Los Angeles nach einem langen Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, so seine Sprecherin Michelle Bega.

Der in der norddeutschen Hafenstadt Emden geborene Petersen drehte zwei Spielfilme, bevor ihm 1982 der Durchbruch gelang: „Das Boot“, der damals teuerste Film der deutschen Filmgeschichte. Der 149-minütige Film (die ursprüngliche Fassung hatte eine Länge von 210 Minuten) schilderte das klaustrophobische Leben an Bord eines zum Untergang verurteilten deutschen U-Boots während der Atlantikschlacht, mit Jürgen Prochnow als Kommandant des U-Boots. Der Film „Das Boot“ wurde für sechs Oscars nominiert.

Der 1941 geborene Petersen erinnerte sich oft daran, wie er als Kind neben den amerikanischen Schiffen herlief, als diese Lebensmittel abwarfen. „In der Schule sprachen sie nie über die Hitlerzeit – sie verdrängten sie einfach aus ihren Köpfen und konzentrierten sich auf den Wiederaufbau Deutschlands“, sagte Petersen 1993 der Los Angeles Times. „Wir Kinder suchten allerdings nach glamouröseren Träumen als dem Wiederaufbau eines zerstörten Landes, also waren wir wirklich bereit dafür, als die amerikanische Popkultur nach Deutschland kam. Wir alle lebten für amerikanische Filme, und als ich 11 Jahre alt war, beschloss ich, dass ich Filmemacher werden wollte.“

„Das Boot“ brachte Petersen als Filmemacher nach Hollywood, wo er zu einem der gefragtesten Regisseure von Action- und Katastrophen-Filmen wurde. Mit Filmen über den Krieg wie „Troja“ mit Brad Pitt (2004), über Pandemien (der vom Ebolavirus inspirierte Film „Outbreak“ von 1995) und andere Katastrophen, die auf dem Meer spielen (2000 „Der perfekte Sturm“ und 2006 „Poseidon“, ein Remake von „The Poseidon Adventure“ über das Kentern eines Ozeandampfers).

Petersens erster Ausflug ins amerikanische Filmgeschäft war jedoch der bezaubernde Kinderfilm „Die unendliche Geschichte“ (1984), nach dem Roman von Michael Ende.

Petersens wohl bester Hollywood-Film entstand fast ein Jahrzehnt später, 1993, in „In the Line of Fire“, mit Clint Eastwood in der Hauptrolle als Secret Service Agent, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten vor dem Attentäter John Malkovich schützt. In diesem Film setzte Petersen sein großes Geschick im Aufbau von Spannung für einen offeneren, aber ebenso spannungsgeladenen Thriller ein.
Auf der Suche nach einem Regisseur für den Film dachte Eastwood sofort an Petersen, mit dem er einige Jahre zuvor bei einer Dinnerparty von Arnold Schwarzenegger geplaudert hatte. Eastwood traf sich mit Petersen, sah sich seine Arbeit an und gab ihm den Auftrag. „In the Line of Fire“ wurde ein großer Erfolg, spielte weltweit 177 Millionen Dollar ein und erhielt drei Oscar-Nominierungen.

„Manchmal gibt es Siebenjahreszyklen. Wenn man sich andere Regisseure anschaut, haben sie nicht immer die großen Erfolge. Bis zu ‚NeverEnding Story‘ war meine Karriere ein Erfolg nach dem anderen“, sagte Petersen 1993 gegenüber Medien. „Dann kam ich in die stürmische internationale Szene. Ich brauchte Zeit, um ein Gefühl für diese Arbeit zu bekommen – es ist nicht mehr Deutschland.“

Nach „Outbreak“ mit Dustin Hoffman, Rene Russo und Morgan Freeman drehte Petersen 1997 „Air Force One“. Harrison Ford spielte darin einen Präsidenten, der in einen Kampf mit Terroristen verwickelt wird, die die Air Force One entführen. Auch dieser Film war mit einem weltweiten Einspielergebnis von 315 Millionen Dollar ein Hit, aber Petersen versuchte sich im Jahr 2000 an etwas noch Größerem: „The Perfect Storm“, die wahre Geschichte eines auf See verschollenen Fischerboots aus Massachusetts. Zu den Darstellern gehörten George Clooney und Mark Wahlberg, aber die Hauptattraktion war eine 100 Fuß hohe, computergenerierte Welle. Bei einem Budget von 120 Millionen Dollar spielte „The Perfect Storm“ 328,7 Millionen Dollar ein.

Für Peterson, der an der norddeutschen Küste aufgewachsen ist, übt das Meer schon lange eine große Faszination aus. „Die Kraft des Wassers ist unglaublich“, sagte Petersen 2009 in einem Interview. „Als Kind war ich immer beeindruckt, wie stark es ist und welchen Schaden das Wasser anrichten kann, wenn es sich innerhalb von ein paar Stunden dreht und gegen das Ufer prallt.“

Der Big-Budget-Film „Poseidon“, ein hochpreisiger Flop für Warner Bros., war Petersens letzter Hollywood-Film. Sein letzter Film war 2016 „Vier gegen die Bank“, ein deutscher Film, der Petersens eigenen deutschen Fernsehfilm von 1976 neu verfilmte.

Petersen war zunächst mit der deutschen Schauspielerin Ursula Sieg verheiratet. NAch der Scheidung in 1978, heiratete er Maria-Antoinette Borgel, eine deutsche Drehbuchautorin und Regieassistentin. Peterson hinterlässt neben seiner Ehefrau seinen Sohn Daniel Petersen und zwei Enkelkinder.

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Martin Beier

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