Experten erwarten „Palast Massaker“ in Moskau

Es tobt ein heftiger Kampf um die Putin-Nachfolge. Wer rückt an die Staatsspitze, wenn Putin plötzlich sein Amt nicht mehr ausüben kann oder gar stirbt?

Seit Russland in die Ukraine eingefallen ist, diskutiert die Welt über Putins Gesundheitszustand. Aufgrund täglicher Nachrichten und Spekulationen, vermuten viele, Russlands Präsident sei psychisch krank oder habe Krebs.

Erst kürzlich sagte der ehemalige M16-Chef Sir Richard Dearlove: „Ich lehne mich jetzt wirklich weit aus dem Fenster. Ich glaube, er wird 2023 nicht mehr am Leben sein.“ Der einstige Chef des britischen Geheimdienstes erklärt im Podcast „One Decision“ schon bald dürfte Putin „wahrscheinlich in ein Sanatorium“ eingeliefert werden, „aus dem er nicht als Führer Russlands rauskommen wird.“

Wer übernimmt in so einem Fall die Macht in Russland, mit welchen Auswirkungen auf den Ukraine-Krieg und die gesamte politische Weltlage?

Juristisch ist die Nachfolge eigentlich festgelegt. Laut russischer Verfassung übernimmt der Premierminister die Regierungsgeschäfte, wenn Putin stirbt, zurücktritt oder seines Amtes enthoben wird,. Innerhalb von drei Monaten müsste dann ein neuer Präsident gewählt werden. Der aktuelle Premierministers ist der 56-jährige Michail Mischustin, aktiver Spieler in der von Putin mitgegründeten Amateur-Eishockeyliga „Night Hockey League (NHL)“. Dass sich Mischustin auf dem Eis gut schlägt, sehen viele nicht als Indikator an, dass er sich auch als Kreml-Anführer für längere Zeit halten könnte.

„Das Szenario, dass der formelle Nachfolger Putins tatsächlich dessen Amt übernehmen würde, ist sehr unwahrscheinlich“, so Marina Henke, Professorin für Internationale Beziehungen an der Hertie School Berlin. „Es gibt keinen klaren Nachfolger, keinen Kronprinzen. Das ganze System ist einzig und allein auf Putin ausgerichtet.“

Sollte sich jemand aus dem engeren Umfeld Putins anschicken, die Macht zu übernehmen, könnte es zu Desaster kommen, glaubt die Sicherheitsexpertin. „Falls sich jemand aus dem jetzigen inneren Kreis von Putin als neuer Präsident deklariert, dann wird ein anderer mit Sicherheit sagen: Es kann nicht sein, dass ausgerechnet Du das jetzt übernimmst. Dann würde es zu einer Art Palast-Massaker kommen“, so Henke.

Politikwissenschaftler Gerhard Mangott gibt zu bedenken: „Ein Abtritt Putins würde zwar einen aggressiven, autoritären und misstrauischen Präsidenten entfernen, aber wir können uns keineswegs sicher sein, dass ein verträglicher Nachfolger die Macht übernehmen wird.“

4 Kommentare

    1. @negiwadi/post v. 27.05.2022/11:31 Uhr

      Ich denke auch, dass solche Form von „Nachrichten“ irgendwie für normale Menschen keinen Wert in irgendeiner Form haben.
      Wenn sich intern in einer Politik Menschen mit einer solchen Thematik beschäftigen – ich meine den Teil eines möglichen Nachfolgers etc., ist das legitim meiner Ansicht nach. Was ich überhaupt nicht gut finde, ist die Überschrift. Hätte das nicht auch ganz anders funktioniert, wenn man über Nachfolgen im Moskauer Kreml spekuliert? Das sollte auch dann nicht als Überschrift hergenommen werden, selbst wenn das ein Interviewpartner so gesagt hat. Das Hauptinteresse sollte sein, Krieg und Gewalt zu verhindern oder zu beenden. Wie soll das aber bitte funktionieren, wenn schon verbal alles überall nur noch kriegerisch oder aggressiv klingt?
      Diplomatie ist vonnöten, auch aber gerade in schwierigsten Konflikten ist es notwendig.

  1. @Peter Mewes

    Ja der Irak-Krieg…. gut, nachdem sich damals der Irak Kuwait in einer Blitzaktion geholt hat, kann ich das, was folgte, noch halbwegs nachvollziehen. Auch wenn wenn es dabei nur vordergründig um eine „Befreiuung“ ging, aber eigentlich doch mehr um das Öl. Die Befreiung war nicht der Hauptgrund, sondern der Nebeneffekt. Saddam Hussein wurde aus Kuwait also wieder verjagt und war danach natürlich noch weniger den USA freundlich gesinnt.
    Ich möchte genau zu diesem Punkt etwas nebenbei einwerfen: Länder, Staaten, Nationen, müssen keine „Freunde“ miteinander sein. Aber respektvoll, friedvoll kann man auch miteinander umgehen, ohne den Anderen zu „lieben“, oder?
    Was ich mich damals gefragt habe und immernoch frage ist, war es wirklich notwendig, dem Irak chemische Massenvernichtungsmittel anzudichten? Anzudichten sage ich deswegen, weil es ja nur zwei Möglichkeiten gibt. Entweder waren die Geheimdienste, die diese Informationen in die Welt gesetzt haben, völlig unfähig; die andere Möglichkeit lautet, dass ein Grund konstruiert werden sollte, um als Propaganda den Angriff zu rechtfertigen. Sicher – Saddam Hussein war kein Mensch, dessen Gesellschaft ich mir gewünscht hätte. Wenn also soetwas wie Raketen mit Chemie-Sprengköpfen erfunden werden mussten, um den Angriff zu rechtfertigen, dann bedeutet das für mich im Prinzip, dass alle anderen möglichen Gründe offenbar als nicht ausreichend für einen Krieg angesehen worden sind im Sinne einer Propaganda.
    Was ich aber sagen möchte ist, dass ich nicht in einem reinen Schwarz- oder Weiss-Denken sein möchte. Wenn man nur einmal die Zeit ab 1960 betrachtet, dann haben sich weder die USA noch Russland irgendwie mit Ruhm bekleckert. Das wissen beide Seiten eigentlich auch ganz genau. Aber trotzdem gibt es auf beiden Seiten immer nur Vorwürfe gegen den Anderen für Tatsachen und für Dinge, die vielleicht sein könnten. Dazu habe ich die Meinung, dass in beiden Nationen die Regierungen und Staatslenker ja nicht aus unreifen Teenagern bestehen, sondern aus erwachsenen Menschen. Nur warum handelnd diese Menschen dann nicht wie Erwachsene? Das ist mein Empfinden für beide Seiten. Der Punkt ist, dass doch mal ein Zustand hätte gefunden werden müssen, in welchem beide Seiten einfach mal – wie es Erwachsene meiner Meinung können sollten, eingestehen: „Ja, wir haben viele Fehler gemacht“. Das ist nämlich die einzige Wahrheit. Was dann auch dazu gehört ist, dem jeweils Anderen nicht immer die Vergangenheit vorzuwerfen. Wie soll ein Frieden sich langfristig bilden können, wenn auf verbaler Ebene nur gegenseitige Vorwürfe ausgetauscht werden, also quasi immer ein verbaler Krieg herrscht? Zuerst muss auf der Ebene der Kommunikation eine Art Frieden gebildet werden, denn der ist gerade dann am wichtigsten, wenn es Konflikte gibt. Und ja – mir ist durchaus bewusst, wie schwer das Menschen fällt, ich nehme mich selbst davon auch nicht aus. Es gab in meinem nun 55jährigen Leben bisher oft Situationen, in denen ich einen Konfliktfall nicht gelöst habe, sondern versschlimmert, einfach dadurch, dass ich nicht vielleicht mal sagen konnte „okay – ich bin nicht das Gelbe vom Ei“, umschrieben ausgedrückt.
    Es gibt keine perfekten Menschen und auch Präsidenten der USA oder Russlands waren und sind nur Menschen. Ich mache da also keinen Unterschied. Die Situation, wie Menschen mit sich, anderen Menschen, mit der Erde umgehen, ist einfach nur traurig obwohl es alle notwendigen Möglichkeiten gäbe, es anders zu tun als aktuell.

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