Ex-Präsident an Corona gestorben

In Koblenz geboren, wurde er zum Visionär für Europa und setzte sich in seiner Amtszeit für die Versöhnung mit Deutschland ein. Gestern starb der einst französische Präsident Valéry Giscard d‘Estaing in Folge seiner Covid-19-Erkrankung.

Valéry Giscard d’Estaing, sechs Jahre lang Präsident von Frankreich, ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb der Politiker mit 94 Jahren in Folge seiner Corona-Erkrankung: „Sein Gesundheitszustand hatte sich verschlechtert und er starb an den Folgen von Covid-19“, erklärten seine Angehörigen.

D’Estaing war von 1974 bis 1981 Präsident in Paris und ein bedeutender Politiker für das deutsch-französische Verhältnis. Gemeinsam mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt arbeitete er an der Versöhnung der beiden Länder. Die Wurzeln seiner Bemühungen sind in seiner frühsten Kindheit zu finden. D’Estaing wurde nämlich 1926 in Koblenz geboren, weil sein Vater damals dort stationiert war. Später dann erlebte er umgekehrt die Besatzung von Paris durch deutsche Soldaten. In einem Interview erklärte der Politiker einmal: „Ich war Gymnasiast zu dieser Zeit, und ich wachte jeden Morgen davon auf, dass die deutschen Soldaten unter meinem Fenster sangen, das rührt mich noch heute.“

In Frankreich machte er sich mit einem neuen Führungsstil und modernen Weltanschauungen beliebt. Schon im Fernsehduell, bevor er gewählt wurde, machte D’Estaing seine Linie deutlich, „das einzige, was mich interessiert, ist der Wandel: Sobald ich zum Präsidenten gewählt bin, sprechen wir nicht mehr über die Vergangenheit“ und gewann die Gunst der Wähler. Den Worten folgten Taten. Als Staatsoberhaupt erneuerte er und anderem das Scheidungs- und das Abtreibungsrecht und eben die Beziehung zu Deutschland.

Schließlich wurde D’Estaing in Folge eines Skandals abgewählt. Der zentralafrikanische Diktators Bokassa schenkte dem damals amtierenden Präsidenten von Frankreich Diamanten. Die Franzosen waren empört und wählten D’Estaing schließlich ab. Politisch aktiv blieb er weiterhin. 2001 wurde der französische Politiker zum Präsident des EU-Konvents gewählt und setzte sich dort, wieder in guter Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik, für eine europäische Verfassung ein.

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