ARD-Film wollte Merkel wie einen Nazi vor Gericht stellen

Die Bundeskanzlerin vor einem Gericht wie die Nazis in Nürnberg? So sah es der Plan für die ARD-Produktion „Ökozid“ ursprünglich vor. Die Idee wurde verworfen, um näher an der juristischen Realität zu bleiben.

Im ARD-Spielfilm „Ökozid“ trat Angela Merkel als Zeugin auf, um zu klären, warum die Staaten bei der Klimakatastrophe zusahen. Bis ins Jahr 2034 Millionen, so das Drehbuch, wurde die Lebensgrundlage von Millionen Menschen durch Naturkatastrophen vernichtet, die dem menschengemachten Klimawandel zuzuschreiben sind.

Der Film wurde gestern Abend in der ARD gezeigt. Die Rolle der bis dahin ehemaligen Kanzlerin spielte Martina Eitner-Acheampong. Im Film trat Dr. Angela Merkel „nur“ als Zeugin vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) auf. Doch ursprünglich hatten die Autoren ein viel brisanteres Szenario geplant.

Um heraus zu finden, wie weit die Autoren gehen können, ließen sie sich beim Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht beraten.

„Anfangs sollten zum Beispiel – nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse – Angela Merkel und Gerhard Schröder direkt als Angeklagte vor Gericht gestellt werden“, erzählt Alexandra Kemmerer, Referentin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht.

Nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse würde heißen: Persönlich zur Verantwortung gezogen wegen schwersten Verbrechen an der Menschlichkeit und versuchtem Genozid. Die Nürnberger Prozesse arbeiteten die Schuldigkeit von deutschen Funktionären und Politikern nach dem Zweiten Weltkrieg auf.

Die makabre Idee hätte sicher Wellen geschlagen. Sie ließ sich dann aber nicht umsetzen, weil vorm IGH nur Staatenverfahren vorgesehen sind, erklärt Kemmerer in einem Interview auf der Instituts-Website. „Um die Idee nicht völlig zu kippen, hat Angela Merkel im Film jetzt eine prominente Zeugenrolle bekommen“.

In dieser Zeugenrolle werden Merkels Aussagen gewertet, um darüber zu richten, inwiefern die deutsche Politik zur Verantwortung gezogen werden müsse, weil ihre Bemühungen nicht ausreichten um den Klimawandel zu verhindern – was im Filmjahr 2034 fatale Konsequenzen wie Dürren und Überschwemmungen zur Folge hatte.

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